Erfahrungsbericht aus Nepal - Busse in Kathmandu.

Zwei Männer und ein Bus

Wer in Kathmandu, oder in gesamt Nepal von A nach B kommen möchte, nutzt als Tourist meist ein Taxi.
Die Einheimischen oder solche wie ich nutzen den Bus.
Bus fahren in Kathmandu ist nicht immer schön. Es ist kalt, es zieht wie Hechtsuppe und selten hat man Platz seinen ganzen Popo auf einen Platz zu drapieren. Oft hat man Nachbars Hand auf seinem Schenkel oder aber auch den Atem des Hintermannes im Genick. In der Winterzeit, wenn alles schnüffelt und das machen Nepalesen gerne, bekommt man schon mal den Nießer des Nachbarn ab und wie oft erlebt, ein fremdes Kind auf den Schoß gesetzt.

Es gibt große Busse (bitte dabei nicht an einen Bus der Deutschen Verkehrsbetriebe denken) die alle paar Minuten um ganz Kathmandu auf der Ring Road fahren. Und es gibt die kleinen Micro Busse, die sich in die kleinen engen Gassen der Stadt wagen. In solch einen Micro-Bus, der schätzungsweise für 15 Personen ausgelegt ist, passen dann auch schon mal gefühlte 100 Passagiere hinein.

Das dies alles reibungslos seinen Gang geht, dafür gibt es zwei Männer. Da ist zum einen der Fahrer, welcher je nach Laune seinen Micro auf Höchstgeschwindigkeit zum Ziel jagt oder gemächlich die Straße lang tuckert. Zugegebenermaßen sind die Tuckerer in der absoluten Minderzahl. Zum Zweiten ist da der Mann („Conducter“) welcher oft ein kleiner Junge ist. Dieser hat die Aufgabe, Passagiere zu locken, abzukassieren und für Ordnung im Bus zu sorgen. Und glaubt mir, es herrscht Ordnung im Bus.

Früher, als ich noch grün hinter den Ohren war und nicht wusste wie man diesen Ordnungshüter der Busse nannte, gab ich ihnen Namen wie Spucker (gern spucken die Jungs mal wild in der Gegend herum) Rufer, Schreier……..usw.

Haltestellen sind kaum gekennzeichnet in Kathmandu. So hat man das Gefühl wann immer man möchte, kann man so einen Bus besteigen.
Und doch gibt es feste Regeln, welche jedoch kaum ein Schwein beachtet. Die Polizei kann schließlich nicht überall sein. Ist sie doch mal da, werden die Fahrer auch in Nepal kräftig zur Kasse gebeten. Bevor aber Kohle von Fahrers Hand in die des Polizisten wechselt, entsteht eine lebhafte Diskussion. Die Fahrgäste warten geduldig und genießen das Drama. Die Mitfahrer, die vorn sitzen und live jede Regung im Gesicht des Polizisten sehen, geben in einer Art stillen Post Gesprächsfetzen an die restlichen Passagiere des Busses weiter. Ein Ah und Oh hört man im Bus und jeder, der denkt, er hat Ahnung teilt seine Meinung mit denen der anderen. Ich hingegen sitze oder zapple auf meinem Platz herum. Versteht man nur wenige Worte, wird einem da schon mal langweilig.

Die Hälfte des Körpers jenes Conducters befindet sich während der gesamten Fahrt meistens außerhalb des Busses. Mit dem gesamten Oberkörper lehnt er weit raus gebeugt aus dem Fenster und schreit…..Zabel, Boudha, Ratna Park, Jamal….sämtliche Haltestellen, die der Bus anfährt, in die Gegend. Geübte Ohren verstehen sofort, was er möchte.

Ehrlich gesagt, anfangs verstand ich kein Wort und dachte sie schreien nur, weil sie es gerne machen. Heute weiß ich, moderne Kommunikation in Nepal kann auch so aussehen. Hat der Conducter potentielle Opfer gefunden, die mit einem Kopfnicken ihre Bereitschaft signalisieren den Bus nutzen zu wollen, klopft er wie wild auf den Bus. Zweimal ist das Zeichen für den Fahrer zu halten und einmal um weiter zu fahren. Der Fahrer selbst glotzt nur auf die Straße. Ab und an fährt er auch schon mal los, während der Conducter noch Kontakt sucht. Dann schreien zur Abwechslung die Fahrgäste er solle gefälligst warten, der Hüter des Busses fehlt noch.

Sitzplätze sind zu bestimmten Zeiten rar. So fuchtelt der Conducter schon mal wild mit dem Armen im Bus und sagt: Leute Leute macht euch dünn hier wollen/ sollen noch Mitfahrer rein. Ich denk dann schon mal: mein Gott Süßer, könnte ich mich dünn machen würde ich sicher nicht hier im Bus sitzen, sondern auf den Model Laufstegen der Welt unterwegs sein.

Das nächste Problem wartet nicht lange: Das Bezahlen. Nicht, dass ich es nicht möchte, denn in Kathmandu zahlt man fast einen symbolischen Preis fürs Bus fahren (für uns Westler jedenfalls). Gerade mal 15 bis 20 Rs je nach Streckenlänge. Also nicht mal 20 Cent.

Doch wie kommt man an sein Geld, wenn es in der Tasche ist und wirklich nicht mal mehr ein Millimeter Beinfreiheit besteht, ohne den Nachbarn zu begrabschen? Der findet es vielleicht noch schön. Ich stecke mein Kleingeld immer in die Hosentasche. So kommt man nach meinen Erfahrungen am besten ran. Hat man diese Klippe umschifft, steht man schon vor der nächsten Hürde: Der Preis. Wohlweißlich der für uns Ausländer von denen oftmals angenommen wird sie haben keine Ahnung.

Gern kassieren die Kontakter die gesamten 20 Rs ohne das Wechselgeld zurück zu geben. Die Schlawiner. Mir geht es nicht um ein paar Cent. Mir geht es darum, dass ich genauso behandelt werden möchte wie die Einheimischen. Schließlich lebe ich mit genau so wenig Strom wie sie. Da bekomme ich auch kein Bonus.
Außerdem weiß ich aus einer geheimen Quelle dass die Bus Crew für nepalesische Verhältnisse gar nicht so schlecht verdient. Sie werden a) am Gewinn beteiligt und b) stecken sie sich immer was in die eigene Tasche bevor sie am Abend beim Boss abrechnen. Natürlich verrate ich meine Quelle hier nicht.

Ich bezahle, in dem ich einen 20 Rupien Schein dem Kontakter gebe und warte geduldig (Geduld lernt man in Nepal ganz schnell) auf mein Restgeld. Das kommt oft nicht. Je nach Laune halte ich entweder meine Hand fordernd hin, oder aber ich sage: mero Paisa. („mein Geld“). Spätestens dann horcht die Masse im Bus auf. Nepali, aus ‘ner europäischen Schnute hört man selten.

Ich habe schon erlebt dass einige Leute im Bus, meist ältere, in das gleiche Horn tuten. Nachdem ich mein Geld bekommen habe, bekomme ich oft wohlwollende Blicke der restlichen Fahrgäste. Das macht Laune, das baut auf.

Gestern, der Bus war wie immer brechend voll, hat ein Fahrgast sein Handy verloren. Panik brach im Bus aus und alles suchte! Für einen Nepalesen gibt es kaum etwas Schlimmeres als sein Handy zu verlieren. Trotz begrenzter Beinfreiheit gibt es immer noch ausreichend Platz zum Suchen. Nach minutenlangen Herumgekrauche im Bus kam einer auf die Idee das vermisste Handy anzuklingeln. So schnell konnte ich gar nicht gucken und mindestens die Hälfte der anderen Fahrgäste hatte ihr Handy in der Hand um geduldig zu warten bis der Pechvogel des Tages seine Nummer preisgab. Das war dann wohl mal nichts, sein Mobile sei Switch off (ausgeschalten). Es kommt auch vor, wenn ich am Vormittag meine Pause nutze, um schnell Besorgungen zu machen, dass die Busse noch voller sind. Ja, es gibt immer eine Steigerung in Kathmandu. So geschehen vor 2 Tagen, als ich meine Premiere hatte und mein Hinterteil aus dem Bus halten musste und ich innen krampfhaft versuchte mich fest zuhalten. Nach 2 Haltestellen war mein Popo auf Minimal Temperatur runter gekühlt und ich hatte Glück und wurde zum Nachrücker.

Trotzdem, ich mag lieber Bus fahren. Taxi ist langweilig.

geschrieben von Basundhara
(mehr von ihr: hier)

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Mehr interessante und spannende Geschichten von Basundhara findest Du auch in ihrem Blog:
nepalmeromaya – Ein Land, seine Menschen & eine Liebe.
Schau einfach bei Gelegenheit mal in ihrem Blog  vorbei.

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