Reisebericht aus Nepal - Namen in Nepal.

Leben ohne Name?

Nepal ist ein fantastisches Land. Mehr möchte ich hierzu an und für sich gar nicht erörtern. Lebt man hier inmitten der nepalesischen Gesellschaft erlebt man so Vielerlei. Einiges scheint unlogisch für uns. Sind wir doch oft stark durchorganisierte Leute aus Deutschland. Doch was soll’s. Dies macht das Leben doch interessant.

In Nepal bekommen Kinder, wenn sie auf die Welt kommen natürlich einen Namen verpasst. Mit welchem sie wohl oder übel leben müssen. Ist nicht anders als in Deutschland.
Um jedoch auf das Thema zu kommen, sprechen sich Nepalesen im Laufe ihres weiteren Lebens kaum mit dem Namen an. Natürlich herrscht in Nepal auch Ordnung und als solches muss in den Identifikationspapieren der Bewohner natürlich auch ein Name stehen.

Im wahren Leben sieht die Sache dann natürlich wieder ganz anders aus. Anstelle der Namen werden grundsätzlich und das zu 99%, ich nenne es einmal Titel, verwendet. Beginnen wir mit den Eltern. Die werden natürlich mit Mutter und Vater angesprochen.

Eine Spezialität des Nepalesen und ich glaube auch aller Hindus auf der Welt ist, dass die Eltern grundsätzlich mit „Sie“ angesprochen werden.
Wie auch ältere Geschwister, Tanten und Onkel. Das ist nicht nur die traditionelle Lebensart, sondern das wird noch immer so praktiziert.

Man stelle sich einmal vor das eigene Kind sagt zu den Eltern: Mutter könnten Sie mir bitte für Morgen diese Hose waschen? Wie würden unsere Kinder so etwas sehen?

Weiter geht es zu Mann und Frau, Schwester und Bruder, Tochter und Sohn, Tante und Onkel, Anverwandte und alle anderen, die es noch gibt.

Der ältere Bruder, sowie alle Älteren und scheinbar verheirateten männlichen Wesen werden Dhai („großer Bruder„) genannt. Treffe ich auf der Straße einen Mann der scheinbar älter als ich ist und ich möchte ihn ansprechen, beginne ich mit: Dhai kati bajyo („Älterer Bruder wie spät ist es?“) Die jüngeren Männer/Jungs und solche die vermeintlich nicht verheiratet sind werden mit Bhai angesprochen. Ist man in Kathmandu mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs fährt ein sogenannter „Conducter“ mit. Sein verantwortungsvoller Job ist es dem Bus so viele Fahrgäste wie möglich zu zuführen, diese in jede noch so kleine Ritze zu platzieren und abzukassieren. Meist sind die Conducter junge Männer. Zu denen sage ich dann also: jo Bhai ek sana Lainchur. („He he…kleiner Bruder, eine Person nach Leinchaur wieviel Kohle willst du haben?„)

Die ältere scheinbar verheirate Frau und Schwester ist die Didi. Und was soll ich sagen, zu 90% werde ich so angesprochen. Einfach alle in ganz Nepal sprechen jede Frau, die älter als 25 scheint, mit Didi an. Die jungen Mädels die nicht verheiratet sind, werden Bahini genannt. Wenn ich also, um einmal ein Beispiel zu nennen, auf dem Markt etwas kaufen möchte und zuvor den Preis erfragen muss, sage ich: Bahini/Didi: ek Kilo sundala? Kati ho? („Kleine, oder große Schwester was kostet ein Kilo Mandarinen?“)

Was aber nicht heißt, dass meines nepalesischen Mannes jüngere Geschwister mich Didi nennen. Hier kommt wieder eins der Verwandtschaftsgrade ins Spiel. Ich werde Bhausu genannt. Was bedeutet: Tante/Frau/Freundin meines größeren Bruders usw.

Hat man da noch einen Durchblick? Ich an dieser Stelle war nach Monaten fast am Aufgeben.

Eine Bekannte von uns, die gegenüber wohnt und in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis zu uns steht, nennen wir auch Bhausu. Warum nicht Didi? Weil Bhausu hier wiederum für engere Bekannte steht.

Eine minimale Steigerung gibt es noch. Kleine Mädchen, etwa bis 12/13 werden Nani genannt. Die kleinen Jungs spricht man mit Babu an. Spielende Kinder vor dem Haus werden von ihren Eltern Nani/Babu gerufen. Bis jetzt hat sich mir noch nicht zugänglich gemacht woher das einzelne Kind weiß, welches gemeint ist.

Unsere Hauseigentümerin in Kathmandu in deren Haus wir eine Wohnung gemietet haben, reden wir mit Anti (Tante) an. Warum wir nun hier nicht Didi sagen, hat sich mir noch nicht erschlossen. Leider weiß ich bis heute nicht wie die gute Frau eigentlich heißt und werde es möglicherweise nie erfahren. Unter Umständen hat sie selbst ihren Namen vergessen? Wen würde es wundern.

Das ganze zieht sich natürlich durch die unterschiedlichsten Verwandtschaftsverhältnisse. Hier erneut ins Detail zu gehen, würde jeden normalen Rahmen sprengen. Was aber, wenn mehrere Jüngere / ältere Männer / Frauen an einem Ort sind. Wie rufen sie dann? Sie nutzen auch den Titel. Nepalesen, so scheint mir, haben irgendwie ein Gespür, wer gemeint ist. Sollten sie einmal wirklich nicht wissen, dass sie gerufen werden, dann endlich kommt der Name zum Einsatz. Sofern er bekannt ist. Dann rufen sie den Namen jedoch selbstverständlich mit dem Beinamen Bhai/ Dhai…………

geschrieben von Basundhara
(mehr von ihr: hier)

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Mehr interessante und spannende Geschichten von Basundhara findest Du auch in ihrem Blog:
nepalmeromaya – Ein Land, seine Menschen & eine Liebe.
Schau einfach bei Gelegenheit mal in ihrem Blog  vorbei.

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